Und wer sind Sie?

In Googles heiterer Social Network Welt wird es wohl keinen “1337DragonSlayer” oder “53B4$714|\| 90LL|\|0\/\/” als Benutzernamen geben. Man ist hier kein Freund von Pseudonymen und verpflichtet die Benutzer auf Klarnamen. Unter Punkt 13 der “User Content and Conduct Policy” heißt es:

To help fight spam and prevent fake profiles, use the name your friends, family or co-workers usually call you. For example, if your full legal name is Charles Jones Jr. but you normally use Chuck Jones or Junior Jones, either of those would be acceptable.

Im Klartext heißt es: Google möchte nur die Namen, die man auch sonst verwendet – am besten natürlich den echten Namen. Hält man sich nicht an die vorgegebene Transparenz so folgt der Ausschluss aus dem Netzwerk. Das mussten in letzter Zeit immer mehr Nutzer erfahren, die sich der Seite zu wanden.
Die User können sich mit einem Feedbackformular an Google wenden, in der Zwischenzeit müssen sie sich darauf beschränken nur als passiver Beobachter im Äther rum zu geistern. Lesen kann auf Google+ trotz Sperrung.

Harte Bandagen

Die Diskussion wird mit teilweise missionarischem Eifer geführt. Andrew Bunner, seines Zeichen Google – Mitarbeiter, rief mit seinem Post quasi zu einer Hexenjagd gegen Pseudonyme auf. Jeder der ein Profil sehe, das nicht mit Klarnamen geführt wird, soll dieses Profil an Google melden. In seinen Kommentaren führten Befürworter und Gegener unnachgiebige, emotionale Dispute.
Gleichzeitig sprach sich Sascha Lobo für ein Recht für Anonymität aus und verteidigte das Recht nicht mit Klarnamen bei Google anzugeben.

Recht auf Unkenntlichkeit
Die Frage die sich einem stellt, ist die, in wieweit es ein Recht auf Anonyimität im Internet gibt? Gerade Google sprach sich noch im Februar 2011 für Anonyimität im Internet aus. Auch erinnert man sich daran, welcher harsche – und absolut berechtigte – Kritik die Äußerungen des CDU Abgeordneten Fischer und sein Plan ein Vermummungsverbot im Internet einzuführen. Auch die Bedenken, welche immer wieder im Zuge der PostPrivacy Bewegung aufkommen.
Der Grundgedanken der Internetpioniere, eines freien Netzwerkes, welches Meinungsfreiheit und Informationsfluß für alle Menschen auf diesem Planeten erreichbar ist, ist ein Ideal, welches man nicht aus den Augen verlieren sollte.
Das soziale Netzwerk Facebook demonstrierte dieses Jahr eindrucksvoll, wie wichtig ein Informationsnetzwerk für den Arabischen Frühling geweses ist. Ohne die Möglichkeit der Kommunikation hätten sich die Demokratiebestrebungen im Norden Afrikas nicht auf eine so schnelle und effiziente Art und Weise organisieren können.
Wie schlecht sich Klarnamen auf eine solche Bewegung ausüben könnten kann man sich ausmalen. Denkt man nur einmal wie Journalisten in totalitären behandelt werden.

Anonyimität als Wert
Anonymität ist mehr als die Möglichkeit ohne Klarnamen zu sagen was man möchte. Für die Meinungsfreiheit und die Anonymität im Internet sind Klarnamen gleichzusetzten mit sozialem Selbstmord. Nicht umsonst ist das Schlimmste, was unter Hackern gemacht werden kann, die Anonymität aufzuheben und den Namen und Anschrift aller ins Internet zu stellen.
Auch für die Verknüpfung zwischen sensiblen Daten und Klarnamen gilt eine Gefährlichkeit und der Wert der Unbekanntheit.
Mit Googles Zwang zum Klarnamen zeigt ein bedenklicher Trend, der für die Bewegungen von Usern im Internet verherrend sein wird.
Gleichzeitig muss man aber auch bedenken, dass sich Google+ in einem Wettbewerb mit Facebook & Co. befindet und sollte es den Menschen nicht gefallen, werden sie sich auf die anderen Plattformen begeben. Google muss aufpassen gerade die empfindliche Gruppe der early adopters nicht durch solche Gesten zu verkraulen. Gerade diese kommen aus einem Gedankengut, welches den Internetpionieren nahe steht. Ob Google sich mit einer solchen Aktion selber ins Bein schießt wird man in den nächsten Wochen und Monaten wissen

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Revolution auf Sparflamme

Es ist nun fast ein Jahr her, dass die sogenannten “war logs” aus dem Afghanistan – Krieg auf wikileaks.com veröffentlicht wurden und weltweit für Aufmerksamkeit sorgte und den whistleblower über Nacht in den Fokus der Weltmächte brachte. Der nächste Paukenschlag folgte mit der Verbreitung von Deokumenten aus dem Irak und US – Depeschen. Erwartungsgemäß waren Politiker und Sicherheitsbeauftragte in den USA und dem Rest der Welt weniger erfreut darüber. Zeitungen, Fernsehsender und eigentliche die ganze Medienwelt berichteten über die Inhalte der WarLogs und US – Depeschen. Julian Assange war der Messiahs der uneingeschränkten Transparenz – Wikileaks sein Heiliges Buch. In Erwartung eines nicht enden wollenden Stroms der Veröffentlichungen über die Mächtigen und Reichen auf der Welt formulierte Wikileaks seinen Leitsatz: We keep governments open!

Stagnation der Whistleblower

Da zwischen WarLogs und US – Depeschen kaum mehr als drei Monate lagen erschien es auf einmal so, als könnten LeakingPortale die gläserne Regierung erzwaingen. Doch so unumkehrbar die Revolution ist, so langatmig ist sie im selben Moment. Seit der Veröffentlichung der US – Depeschen herrscht Funkstille auf der Website, die sich immer mehr selbst und ihren Messiahs Julian Assange zum Thema macht.
Es scheint gar so, als fehlen die Informaten für Wikileaks – oder den Informanten fehle die Courage um sensible Informationen an LeakingPortale weiterzugeben. Doch nicht nur Wikileaks muss sich mit dem Problem der fehlenden Inforamtion auseinadnersetzten, auch den den anderen LeakingPortalen geht es ähnlich.

Die Erbkrankheit der Abhängigkeit

Wikileaks war zwar nicht die erste Enthüllungsplattform – jedoch die Erfolgreichste und damit der Funken, welcher eine Reihe von Leuchtfeuer anzündete. OpenLeaks, die Enthüllungsplattform von Daniel Domscheit-Berg – ehemaliger Mitstreiter von Assange – wurde Ende 2010 gegründet. Aljazeera Transparency Unit, die Veröffentlichungsplattform des Fernsehsenders Aljazeera ging im Frühjahr 2011 online. Bruessel-, Green-, BalkanLeaks folgten, genauso wie Poratale der WAZ – Mediengruppe und des WallStreet Journals.
Doch alle diese Plattformen müssen mit einem entscheidenden Problem kämpfen – sie sind alle auf die Mitarbeit von Menschen angewiesen, welche an relevanten Positionen an wichtige Informationen kommen und gleichzeitig auch noch bereit sind diese zu veröffentlichen. OpenLeaks konnte bisher noch keine große Nachrichten verbreiten. Auch Aljazeera Transparency Unit brachte bisher eine Veröffentlichung heraus, welche sich um Verhandlungen zwischen Israel und Palestina drehten. Der Rest der Leaking – Plattformen konnte bisher keine Dokumente veröffentlichen, die es zu großer medialer Aufmerksamkeit gebracht hätten oder ernsthaften Schaden anrichten konnten.

Irreversibel aber langsam

Die Entwicklung, welche die Enthüllungsplattformen durchmachen, von einer Grasswurzelbewegung, welche auf den guten Willen und dem Wunsch nach Gerechtigkeit der Menschen lebt und den Supermächten der Welt einen gewaltigen Schrecken einjagte ist bisher nicht zu Ende. Was man aber beobachten kann ist eine Stagnation der veröffentlichten Dokumenten – oder zumindest im zeitlichen Abstand. Veränderungen brauchen Zeit – so scheint es auch im Zeitalter des Internet zu sein.


Mediapart – zunkunftsZeitung auf französisch

Dass das Zeitungswesen nicht gerade der vitalste Berreich in der Medienlandschaft ist sieht man schon an der Klage gegen die Apps der öffentlich – rechtlichen Sender. Auch die Zahlen der verkauften Zeitungen sinken in den letzten Jahren immer weiter und bringen so die klassische traditionelle Printpresse in starkes Bedrängnis. Zum einen Fehlen ihnen dadurch die Umsätze und zum Anderen werden sie für Werbekunden uninteressanter, wenn sie weniger Menschen erreichen. Und als es damit nicht schon genug wäre, wanderen immer mehr Leser ins Internet ab um sich dort kostenlos ihre Informationen zuholen. Die Gratis – Mentalität runiert den Qualitätsjournalismus ist ein Credo, welches immer wieder von Vertretern der Printmedien wiederholt wird.

Ein Konzept in Zeiten der Krise

Im Jahr 2008 kam die Finanzkrise ins Rollen und machte auch vor den Zeitungsverlagen nicht halt – traff diese mit voller Wucht. Weniger Anzeigen und weniger Verkäufe führten zur Reduzierung der Redaktionsbelegschaften. Aus dieser Not wurde eine Tugend und so bildete sich in Frankreich eine neue Zeitung, welche sich von Papier und Druckerschwärze vollkommen verabschiedete und statt nur Ableger im Internet zu publizieren komplett in diese neuen Gefilde aufzubrechen. Ausrangierte Redakteure großer Traditionsblätter wie Le Monde gründeten zusammen Mediapart. Die Internet – Zeitung verzichtet auf Werbung und stellt der Gratis – Mentalität ein Abonement entgegen. Neun Euro kostet es, wenn man die Zeitung lesen möchte – dafür bekommt man drei Mal täglich eine aktualisierte Ausgaben der Zeitung. Der ehemalige Chefredakteur der Traditionszeitung “Le Monde” und mittlerweile Mitbegründer der Online Zeitung, Edwy Plenel, sagte zu DRadio Wissen:

Mit Information kann man Wert schaffen und Geld verdienen, man kann Leser anziehen, die einem treu bleiben. Das ist eine hervorragende Neuigkeit, und zwar für alle Journalisten.

Aufzeigen einer Alternative

Man jammert nicht bei Mediapart, sondern man schaut, dass etwas gemacht wird um die Situation zu verbessern. So setzt man auf Qualitätsjournalismus, in dem sich Redakteuere Zeit zur Rechereche nehmen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist wohl dafür verantwortlich, dass sich die Redakteure an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der roten Zahlen ziehen. 50.000 Abonementen brauch die Zeitung, damit sie kostendeckend funktionieren kann. Mittlerweile hat die Zeitung nach eigenen Angaben 52.000 Leser und wird dieses Jahr zum ersten Mal schwarze Zahlen schreiben.

Modell übertragungsfähig?

Klar ist, dass mit Mediapart eine wirklich unabhängige, weder Staat noch Werbekunden, verpflichtet ist bei den Menschen ankommt. Des Weiteren scheint es, als ob es, gegensätzlich zu den Aussagen deutscher Zeitungsschaffenden, möglich ist eine Zeitung in den Zeiten des Mittelalter auf die Beine zu stellen und diese auch ohne PayWall für einzelne Artikel oder massive Werbung auf den Seiten der Nachrichtenmagazine. Mediapart fährt den klassischen Ansatz einer Zeitung – nämlich sich durch Abonnements tragen zu lassen und nicht durch Werbung und sonstige Einnahmen.
Das dieses Modell übertragen werden kann / wird ist nicht in Frage zu stellen. Frei nach den Gesetzten der Marktwirtschaft treffen hier ein Angebot und eine Nachfrage aufeinander, welche in der Gesellschaft nachgefragt wird. Vielleicht dauert es noch ein Wenig, bis das Modell sich im restlichen Europa durchsetzt, eine Idee, wie sich Journalismus in Zukunft präsentieren und überleben kann zeigt Mediapart auf alle Fälle.


Man kann sich fragen ob es schnellere Wege sich bei seinem (vermeintlichen) Klientel lächerlich zu machen als es der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V (BVDW) anfang Juni gemacht hat – spontan fallen mir nur Greenpeaceaktivisten ein, die Robben auf Grönland mit Rohöl übergießen und dann mit Brennstäben zu Tode prügeln. Ein Hussarenstück der anderen Art lieferte der BVDW: In einer Pressemitteilung warnte er vor dem digitalen und dezentralen Zahlungsmittel Bitcoin und spottet damit seinem eigenem Slogan: Wir sind das Netz. Mit einer sehr einseitigen Sicht der Dinge betonte der BVDW die desaströsen Tendenzen, die dem Zahlungsmittel inherent wären:

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. warnt Verbraucher vor der Nutzung der Zahlungsmittel Bitcoins. Zum einen sind Ausgabe und Kontrolle von Zahlungsmitteln in unserer Gesellschaft eine hoheitliche Aufgabe. Durch die Nutzung von Bitcoins als Zahlungsmittel wird die notwendige Kontrolle durch den Staat in den Fällen von Steuerhinterziehung oder Geldwäsche unmöglich. Deswegen sind Bitcoins schlichtweg gefährlich und haben das Potenzial, der gesamten Gesellschaft eben durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere illegale Geschäfte nachhaltig zu schaden.

Als Reaktion auf die Pressemitteilung bekam der Verband sowohl auf Twitter als auch in der Kommentarfunktion von netzpolitik.org Hohn und Spott zu hören.
Die Angst vor dem digitalen Zahlungsmittel gepaart mit einem gewissen Unverständnis von Geldwertschöpfung und Finanzwesen – oder seit wann ist die Kontrolle des Geldes eine “hoheitliche Aufgabe” und damit dem Staat unterstellt – lässt den BVDW in keinem sehr kompetenten Licht erscheinen.Den Hype, der in den letzten Monaten um Bitcoins ausgebrochen ist, wird diese Pressemitteilung eher Anheizen anstatt zu bremsen. Zu einem genaueren Verständinis ist jedoch erstmal zu klären was diese ominös gefährlichen Bitcoins überhaupt sind?

Bitcoins – dezentral. digital.

Die Idee einer digitalen Cyber – Währung scheint schon seit dem Bestehen des Internets eine Utopie von Informatikern und Netzpionieren zu sein. Im Jahr 2009 startet das vielversprechende Projekt der Bitcoins.
Die Wertschöpfung von Bitcoins findet in einem Peer – to – Peer – Netzwerk durch die sogenannten “Miner” statt, welche Rechenleistung, -kraft und -zeit zur Verfügung stellen um bestimmte kryptografische Aufgaben zu lösen und dadurch Bitcoins generieren. Die einzelnen Bitcoins werden durch Verschlüsselung verifiziert, die im gesamten Netzwerk verteilt ist und somit quasi unangreifbar und unfälschbar ist. Im Laufe der Zeit wird es immer schwerer werden Bitcoins “herzustellen”, da die Aufgaben, welche gelöst werden müssen immer schwerer werden und es somit mehr Zeit oder mehr User braucht um sie zu lösen. Die Technik hinter der Geschichte ist kompliziert und ich muss gestehen, dass es für mich einfacher wäre einem Tausendfüßler das Steppen beizubringen als das zu verstehen.

Zwischen libertären Erlösungsfantasien und dunkler Bedrohung

Die Vorteile, welche Bitcoins mit sich bringen sind vor allem von Anhängern libertärer Ideen sehr verführerisch. Kein Staat und keine zentrale Institution kann Bitcoins überwachen – es scheint als sei es die Manifestation des “Bottom – Up” – Prinzips. In welchem sich die Bürger – bzw. die Teilnehmer – um ihre eigene Währung kümmern, welche ihnen dafür Freiheiten gewährt, die sie ansonsten nicht ausleben könnten. Neben der regulären und legalen Verwendung von Bitcoins zieht eine solche “freie” Währung auch illegale Nutzer an, welche sich die vermeidliche Anonymität – eher Pseudonymität, da alle Transaktionen mit Pseudonymen gespeichert werden – zu Nutzen machen. Ein Beispiel, welches in letzter Zeit immer wieder auftauchte ist die Webseite Silk Road, auf welcher Betäubungsmittel aller Art gekauft und verkauft werden können. Alles unter dem vermeidlichen Schutz der Anonymität durch TOR und Bitcoin. Auch hier schlagen libertäre Herzen höher, da es eine neue Art und Dimension der Freiheit mit sich bringt, wenn man nicht mehr durch staatliche Bevormundung eingeschränkt wird.
Auf der anderen Seite argumentieren Kritiker des NerdGeldes das es Gefahren für die Gesellschaft in sich birgt, wenn es einen montären Fluss ausserhalb der institutionellen Kontrolle gibt. Nicht nur die BVDW, sondern auch elaborierte Kritker melden sich in dieser Debatte zu Wort. Jason Calacanis, einer der Väter des Blogs und dotcom – Verteran zum Thema: Bitcoin may be the most dangerous technological project since the internet itself. Die Gefahren, welche das Online Geld mit sich bringt reichen von Terrorfinanzierung bis Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Seltsamerweise wird das im Moment schon gemacht – und zwar mit Münzen und Scheinen in Dollar, Euro, Yuan oder sonstiger Währung.

Was nun — Gut?Böse?Gut?Böse? … Fuck, ich geb auf!

Ob das Bitcoin nun der Goldstandard des Internets wird ist fragwürdig. Das Problem bei der Sache ist, dass Early Adopters extrem bevorzugt wurden, da der Wechselkurs seit März – mit dem Beginn der breiten medialen Berichterstattung – in den Himmel geschoßen ist und bisher es nicht so aussieht, als ob das ganze da so schnell wieder runter kommt.Dafür spricht auch das wachsende Interesse der Internetnutzer an diesem Phänomen. Durch die begrenzte Geldmenge wird es kaum zu einer Inflation der Währung kommen.
Sollte dem Projekt nicht von staatlicher Seite ein Riegel vorschoben werden und es damit in die Illegalität getrieben werden, nur weil Steuerung des Finanzwesens eine mächtige politische Rolle spielt, trägt dieses Projekt großes Potenzial mit sich herum. Die Möglichkeit einer freien Währung, welche ohne große Probleme rund um den Globus geschickt werden kann ist eine fazinierende Idee, die einwenig an utopische Fantastereien einer Weltwährung ohne politische Motivation grenzt.


WorldWideWeb …. NOT!

Es herrscht ein Ungleichgewicht in der digitalen Welt. Mit Europa, Nordamerika und Teilen des asiatischen Kontinents finden sich Schwerkraftpole des Internets. Durch die Einsen und Nullen der Server, Router und Netzwerkverbindungen brennen sie, einer Supernova gleich, in den Nachthimmel der Maschinen.
Was auf der anderen Seite der Gleichung bleibt ist das terra incognita der Informationsgesellschaft – weiße Stellen im Internet. Der afrikanische Kontinent leigt dunkel da, vergessen von einer schneller werdenden Gesellschaft.
Die Entwicklungshilfe rennt der Zukunft hinterher und versucht dabei die Probleme der Vergangenheit zu vermeiden. Mit moderner Technik versuchen Entwicklungshelfer der Industriestaaten die Probleme der dritten Welt zu lösen. Gerade die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ist hierbei ein aktiver Akteur. Am 18. Mai hielt sie eine Konferenz zum eben diesem Thema ab. Gegenstand war, wie den Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Hilfe von Smartphones und Mobiltelefonen geholfen werden kann. Ob es nun um die Ferndiagnose von Hautkrankheiten philipinischer Fischer via MMS oder den Kontostand von kenianischen Minienarbeiter geht, die Helfer mit Touchdisplay scheinen das zu können, was die Entwicklungshilfe in den letzten Jahrzehnten nicht geschafft hat: Fortschritt für den Menschen, dass auch bald in der Sahelzone der moderne Lebensstil gelebt werden kann. I like!
Mit unverholenem Optimus blickt Thorsten Scherf von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in einem Beitrag des Deutschlandfunk in Richtung Zukunft

“Das sind Technologien, die in anderen Wirtschafts-/Gesellschaftsbereichen für erhöhte Transparenz, Effektivität und Effizienz sorgen und damit auch helfen, unterschiedliche Entwicklungsziele zu erreichen, wie eben wirtschaftliche Entwicklung durch effizientere Warenströme oder Erschließen neuer Märkte. Sie können auch eine Möglichkeit sein, dass Bevölkerungsschichten in ländlichen Gebieten die Möglichkeit haben, an politischen Prozessen teilzunehmen, oder über Online-Plattformen Korruption aufzudecken. Es gibt sehr unterschiedliche Bereiche.”

Das man die aktuelle informationstechnische Entwicklungshilfe aber auch unter einem anderen Schlaglicht betrachten kann, als die zukunftsoptimistischen Perspektiven der GIZ muss aber klar sein. Schließlich ist es schon in Industrieländern fraglich in wie weit partizipatorische Internetprojekte funktionieren.
Die Petitonsseite des Bundestags bleibt bis heute weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Warum sollte es in der dritten Welt anders laugen als bei uns? Warum sollten die Menschen in Afrika das Internet dazu nutzen Korruption anzuzeigen, wenn wir – die digital natives – es nicht schaffen uns eine Stimme zu verschaffen?
Gleichzeitig werden in der informationstechnischen Entwicklungshilfe immer noch Fehler gemacht, die schon in anderen Hilfsprogrammen gemacht wurden. Zum Einen muss man sich die Frage stellen, ob es nicht an viel grundlegenderen infrastrukturellen Strukturen mangelt und nicht an Smartphones. Erinnert man sich noch einmal an die Initiative One Laptop per Child, die sich ausschickte die Welt mit billigen Laptops für arme Kinder zu retten. Erstmal eine gute Idee, aber was sollen Kinder mit Laptops, wenn der Strom für die Akkus nicht vorhanden ist, weil die Stromleitung nicht bis ins Dorf reicht und das Stromaggregat für wichtigere Sachen – sagen wir zum Beispiel: elektrische Pumpen für Wasserbrunnen – gebraucht wird. Oder aber, wenn kein Lehrer da ist, der Bildung für die Kinder bereitstellt und sie unterrichtet. Geld für die Ausbildung von Lehrkräften und die Ausstattung von Schulen würde den Kindern vielleicht mehr helfen als Millionen für Plastiklaptops.
Und während Entwicklungshelfer die IT – Infrastruktur in Entwicklungsländern aufbauen klingelt bei westlichen Unternehmen die Kasse. Know How und Wissen kommen nicht aus den hilfsbedürftigen Ländern – können sie natürlich auch nicht. Aber wo Not und Übel zusammen kommen wird Technik der ersten Welt verbaut und neue Monopole der Wirtschaft geschaffen. Geholfen ist in erster Linie den Unternehmen, die für teuer Geld die Länder mit dem Internet verbinden.
Gleichzeitig werden die neuen Internetnationen an ein Netzwerk der westlichen Übermacht angegschloßen und laufen Gefahr das letzte bisschen an Kultur, was ihnen der Kolonialismus gelassen hat in den weiten des WorldWideWeb zu verlieren. Facebook, Google, Wikipedia – Seiten die sich in den westlichen Industrienationen äußerster Beliebtheit erfreuen und zu Leuchttürmen der Internetlandschaft wurden, die über das weite Meer der Webseiten ragen.
Entwicklungshilfe ohne die Betrachtung regionaler, kultureller Gewohnheiten ist nicht möglich – oder zumindest wenig erfolgsversprechend. Und hier scheint die Crux an der Geschichte zu sein. Wie kann eine Technologie die ohne Frage das Potenzial besitzt in Entwicklungsländern Großes zu vollbringen sinnvoll genutzt werden, damit den Betroffenen auch wirklich geholfen ist und nicht nur alte Fehler auf neuen Straßen begangen werden?
Entwicklungshilfe ist immer ein sehr zweischneißiges Schwert, dessen Nachwirkungen oft erst Jahre später ausgemacht werden können. Das ist auch im Rahmen von Kommunikations- und Informationstechnologie nicht anders.
Die Zeit zu Handeln scheint da zu sein, denn sollte man noch länger warten wird der Graben zwischen den digitalisierten Industrienationen und den analogen Entwicklungsländern zu groß und zu tief sein, als das man noch drüber springen kann.


Crowdfunding – alte Idee, neues Metier

Eigentlich müsste das Kino schon lang tot sein. Zulange sitzten die Banshees schon auf den Dächern der Lichtspielhäuser und verkünden von da deren Tod. Bisher gibt es sie noch, die guten alten Säle mit tiefen, burgunderfarbenen Sitzen, in denen Maisfelder verpeist wurden. Doch glaubt man den Nachrufen auf das doch sehr lebendige Medium Kino, dann sollte es schon lange zu Grund gerichtet sein. Verantwortlich sind wohl die Horden von “Digital Natives”, die dem Gratis – Gedanken folgen und Filme lieber aus Einsen und Nullen auferstehen lassen anstatt sie über Zelluloid projeziert zubekommen . Aus sechs Meter Leinwand werden 23 Zoll Bilddiagonale am heimischen Monitor.

Copyright – Piraterie hat das Kino in die Enge getrieben und nur die Wenigsten sind noch dazu bereit Geld dafür zu zahlen, sich Filme im Kino anzuschauen. Einen Einbruch erlebten nun auch die DVD – Verkäufe, welche im letzten Jahr fast um 20 Prozent nachgab. Nachdem das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausend unter dem vernichtenden Feldzug der illegalen Peer – to – Peer – Netzwerke und filesharing standt, bricht nun die Zeit des gestreamten Filmgenuss an. Immer mehr Menschen nutzen legale und illegale Video – on – Demand – Portale. Die Altersgruppe 30+ ist in diesem Bereich besonders aktiv, technikbegeistert und wohlhabend stellen sie den größten Teil der legalen Nutzer. Jugendliche zwischen 14 und 29 Jahre nutzen die legalen Plattformen am wenigsten. Vermutet werden kann das es die digital natives eher auf die dunkle Seite des Internets zieht. Websiten gibt es hierfür genug.

Für die Produktionsfirmen ist das Abwandern in digitale Gefilde – legal weniger als illegal – ein Problem, mit welchem sie sich schon seit den ersten Filesharing Netzwerken auseinandersetzen müssen. Eine Idee, welche nun eine europäische Produktionsgemeinschaft bei ihrem Film “Iron Sky” (hier der Plot) ausprobiert, ist von vorne herein um die potentielle Zielgruppe zu werben. Corwdfunding – wie sich die internetbasierte Finanzierungsform nennt – ist letztendlich keine neue Idee. Schon Anfang des 21. Jahrhunderts kamen Künstler aus der Musikszene auf die Idee Fans vom Beginn der Produktion durch Spenden in das Projekt einzubeziehen. Mit der Gründung der Website artistshare manifestierte sich diese Idee im Äther.

Die Macher hinter dem Sience Fiction Film “Iron Sky” übertrugen dieses Finanzierungsmodell auf ihre Produktion. Zwar kommt nur ein kleiner Teil der finanziellen Mittel aus den Taschen der interessierten Webgemeinde stellt aber Zugehörigkeit zu dem Projekt dar. Über große Investitonen von Fans, dem Verkauf von Merchandising – Artikeln und dem Anbieten einer Sneak – Preview gegen eine Spende finanziert sich so wenigstens ein kleiner Teil des Filmbudgets. Gleichzeitig verfolgen diese Maßnahmen einen weiteren Zweck, nämlich schon so früh wie möglich eine Community für den Film herzustellen.

Oliver Damian von 27 Films Productions, der deutsche Produktionsfirma von IRON SKY erklärt:
“Ziel der Filmemacher ist es so, die Fans schon im Produktionsprozess zu involvieren und damit eine Community für den Kinofilm aufzubauen. Alleine auf Facebook hat der Film schon über 55.000 Fans und das ist natürlich ein Indikator, dass die Fans den Film im Kino sehen wollen.” Artikel auf inar.de

Das es für den leicht schrägen Film über Mondnazis schon eine Community gibt, dafür spricht, dass circa die Hälfte des erwarteten Crowdfunding Budgets schon aufgetrieben ist und dass es mittlerweile weltweite Demands gibt, den Film in lokale Kinos zu bringen.

Inwiefern sich dieses Projekt als wegweisend und übertragungsfähig ist kann nur der Erfolg des Filmes zeigen, wenn er am 04. März 2012 in die Kinos kommt. Sollte er ein Erfolg werden, natürlich gemessen an der “Massentauglichkeit” des Filmes, so könnte es sich als eine Möglichkeit etablieren, kleine und mittlere Filme zu finanzieren.
Eine Übertragung auf die großen Produktionsfirmen und Blockbusterfabriken kann in Frage gestellt werden. Zum Einen sind die Projekte zu teuer, als dass sie teilweise über Crowdfunding finanziert werde könnten und zum Anderen ist das Mobilsierungspotenzial für diese Dinosauerier und ihre Megaprojekte fragwürdig, sind sie, im Gegensatz zu Iron Sky, nicht auf ein so dediziertes Publikum zugeschitten. Der Erfolg dieses Konzepts wird letztenendes wohl im traditionellem Box Office entschieden, trotz neuartiger Finanzierung.

Appendix:

Trailer 1 & 2:

Teaser:


digitaler Blitzkrieg

Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er antwortete und sprach: Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.
Markus 5, Vers 9

Kein Gesicht, keine Person, nur eine Name. Anonymous, das internationale Hackerkollektiv, attakiert seit Anfang des Monats Neonaziseiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erste Aktivitäten entfalltete Anonymous 2008 mit virtuellem Protest gegen den vermehrten Auftritt von Scientology im Internet. Hinter Anonymous steht keine einzelne Person, sondern ein weitgespanntes Netz aus Akteuren, welche zusammen das Kollektiv bilden. Die Identitäten hinter den Fragezeichen bleiben im Dunkeln, denn jeder kann Anonymous sein. Allein die Akzeptanz der Idee und der Wille mitzumachen zählen – natürlich vollkommen anonym.

In den vergangenen Monaten fiel Anonymous vor allem durch den Angriff auf das Sicherheitsnetz von Sony und die Operation Payback auf. Anfang Mai wird eine Warnung an NeoNazis im WorldWideWeb ausgesprochen:

Zeitlgeich mit der Veröffentlichung der Nachrichten beginnen die Angriffe auf die Webseiten. Mit gezielten DDoS Attacken zwingt Anonymous die HostServer der Rechtsradikalen in die Knie. Erste Ziele der “OpBlitzkrieg” waren wolfsfront.com (still down), thiazi.com (still down), sowie die Websiten Rocknord und die Aktionseite zur Maidemonstration in Heilbronn, welche mittlerweile aber wieder online sind. In einer Welt der ServerBackups werden nur kurzfristige Siege gewonnen. Es sind symbolische Siege, denn ein Ende der rechtsradikalen Propaganda werden sie wohl nicht herbei führen. Um in den unendlichen Weiten des Internets das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren kann man über Twitter Zielvorschläge posten.

Anonymous tritt als Korrektiv des Internets auf, ein Viligant der überall und jederzeit seinen Hut in den Ring werfen kann und sich gegen alles stemmt, was das Rechtsbewusstsein verletzt. Die Frage woher das Kollektiv seine Legitimierung bezieht und wie mit Anonymous umgegangen werden muss ist offen. Kann ein offener Viligantismus – also die systemstabilisiernde Selbstjustiz – dem Internet von Nutzen sein oder handelt es sich um willkürliche Akte ohne Grundlage, außer der eigenen Macht? — Eine Beantwortung der Frage fällt schwer, denn bisher hat Anonymous nur Ziele angegriffen, welche die Informations- und Wissensfreiheit verletzt hatten.
Es zeigen sich jedoch die ersten Anzeichen von Wildwuchs. Die lose Organisationsstruktur von Anonymous wurde in der OpSony zum Verhängnis. Während der DDoS – Attacke wurden Millionen Nutzerdaten aus dem PlayStation Network geklaut. Darunter auch Kreditkarteninformationen von über 75 Millionen Kunden. Anonymous dementiert bisher jegliche Verantwortung an den Diebstählen.

Die meisten Aktionen des Kollektives richteten sich aber bisher gegen jene die das Internet manipulieren, einschränken und missbrauchen. Zu hoffen bleibt das es auch weiterhin so bleibt.